Landraub schädigt ärmste Staaten

Der zunehmende Landraub schädigt vor allem die ärmsten Staaten Die Folgen des weltweit zunehmenden „Land grabbing“ (Landraub) haben die Lebensgrundlagen für die Bevölkerung in sieben der ärmsten Staaten Afrikas deutlich verschlechtert. Wie aus der Land Matrix hervorgeht, verloren vor allem Äthiopien, der Sudan, Mosambik, Tansania, Madagaskar, Sambia und die Demokratische Republik Kongo durch diese Land-Transaktionen grosse Flächen an Kulturland, das nur noch in geringem Umfang für den Anbau von Nahrungsmittelpflanzen zur Verfügung steht.

In diesen Ländern zählt der Hunger zu den Hauptproblemen. Gemäss der Datenbank Matrix Land, die von fünf internationalen Forschungsinstituten und Entwicklungsorganisationen getragen wird, haben seit 2000 Investoren mindestens 83 Millionen Hektar in ihren Besitz gebracht. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die tatsächliche Fläche viel grösser ist. Dokumentiert werden in dieser Bank sämtliche Transaktionen von mindestens 200 Hektar umfassenden Flächen. Verglichen mit anderen Erhebungen über den Ausverkauf von Land finden sich in der Land Matrix lediglich Angaben über verifizierte Deals, die jeweiligen Investoren und ihre Herkunftsländer. Ferner wird beschrieben, wie die gekauften oder gepachteten Flächen danach genutzt werden. Weiterhin liefert die Datenbank Informationen über die Folgen für die betroffene Bevölkerung. Jeder kann sich an der Fortschreibung der Datenbank beteiligen und über das Portal eigene Beobachtungen mitteilen. Vor der Veröffentlichung werden sie überprüft. Alleine im östlichen Afrika sind demnach bislang 310 Landtransaktionen über die Bühne gegangen, davon knapp ein Viertel im Flächenstaat Äthiopien. In etwa zwei Dutzend Fällen gelangten dort indische Investoren in den Besitz von Anbaugebieten. „Viele der Landübernahmen betreffen Flächen, auf denen Nahrungsmittel für die örtliche Bevölkerung angebaut wurden“, berichtet Frank Brassel von Oxfam Deutschland. Was dort heute angebaut werde, gelange nicht einmal zu einem Prozent auf die lokalen Märkte, fügt er hinzu. Wie die einzelnen Institute bei ihren Recherchen herausgefunden hben, beziehen sich die Landgeschäfte überwiegend auf Flächen, die zuvor von Kleinbauern bewirtschaftet worden waren. „Ihre traditionellen Rechte werden oftmals missachtet“, informiert Antti Seelaff, der bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Berater für Bodenpolitik und Landmanagement tätig ist. Neue Arbeitsstellen für die Einheimischen oder neue Infrastruktur entstünden dabei nicht. Den Organisationen zufolge halten heutzutage fremde Konzerne und ausländische Fonds bereits fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Afrikas. Die Investoren stammen vorwiegend aus China, Saudi-Arabien, Indien, Europa und den USA. Auf den gekauften oder gepachteten Flächen bauen sie demnach Nahrungsmittelpflanzen für die eigene Bevölkerung an oder nutzen sie für den Anbau von Pflanzen zur Treibstoffgewinnung. In einigen Fällen erreichten die so entstandenen Plantagen Ausmasse von bis zu 50 000 Hektaren, sie müssten entsprechend mit Wasser versorgt werden – zum Nachteil der Einheimischen. Begehrliche Blicke richten die Aufkäufer inzwischen übrigens auch auf europäische Länder, dabei liegt Osteuropa in ihrem Fokus. Einer unlängst veröffentlichten Erhebung des Journalisten Stephan Börnecke zufolge erwecken die Ukraine, Rumänien, Russland und das zentralasiatische Kasachstan immer stärker ihr Interesse. Wie Börnecke erläutert, stehe hinter diesen Bemühungen die Annahme der Welternährungsorganisation FAO, dass die erwähnten Staaten, ebenso wie Argentinien, die einzigen Länder „mit einem signifikanten unerschlossenen Landpotenzial“ zur Deckung eines massgeblichen Anteils des globalen Nahrungsmittelbedarfs seien. Quelle: Frankfurter Rundschau. http://landportal.info/landmatrix