Können Agrotreibstoffe nachhaltig sein?

Können Agrotreibstoffe nachhaltig sein? In der EU aber auch in der Schweiz wird die Nutzung von Agrotreibstoffen immer häufiger kritisiert.

So überreichten 25 Organisationen im Februar 2011 eine Petition mit 62‘000 Unterschriften an den Bundesrat. Hochgerechnet auf die Grösse von Deutschland wären das immerhin über 600‘000 Unterzeichnende. Der Schweizer Nationalrat hat reagiert und im Herbst 2013 entschieden, die verheerenden Auswirkungen der Agrotreibstoffe einzudämmen. Das wollen auch die Politiker in Brüssel. Denn wer will schon am Hunger der Urbevölkerung in Indonesien oder Brasilien schuld sein, wer möchte schon mit Leuten in einem Boot sitzen, welche Land-Grabbing betreiben? Mit dem neuen Gesetz möchte der Nationalrat die Kriterien für Steuererleichterungen auf Agrotreibstoffen verschärfen. Um von Steuererleichterungen profitieren zu können, müssen sie künftig unter sozial annehmbaren Bedingungen produziert werden und es dürfen dafür keine Urwälder mehr abgeholzt werden. Zudem müssen sie „erheblich weniger Treibhausgase erzeugen“ und „die Umwelt nicht wesentlich mehr belasten als fossiles Benzin“. Auch wenn sich die 35 Organisationen, darunter Alliance Sud, Bio Suisse, Brot für Alle, Caritas, Greenpeace, Swissaid, Pro Natura und der WWF vehement gegen Agrotreibstoffe wenden, stellt sich doch die Frage, ob die Vorlage mehr ist als bloss ein Feigenblatt. Denn eigentlich ist bei vielen Agrotreibstoff-Exporteuren, wie etwa Indonesien oder Kolumbien gar kein Zertifikat ausstellbar, das glaubwürdig ist. Beispiel Vertreibungen: Die Ureinwohner kannten nie das System der schriftlichen Landtitel. Es gab in den meisten Ländern nie Grundbuchämter. Deshalb können sie vor Gericht ihren Besitzanspruch kaum verteidigen. Dass sie aber nach modernen, auf Menschenrechten basierenden Kriterien, die legitimen Landbesitzer sind, daran besteht oft kein Zweifel. Dies ist ein Beispiel, weshalb die Quelle selbst von angeblich nachhaltig produzierten Agrotreibstoffen oft zweifelhaft ist. Steuerbefreiung für sie macht keinen Sinn. Es gibt auf der Welt keinen Ort, wo anstelle von Agrotreibstoffen nicht auch Nahrungsmittel produziert werden können. So lange deren Preis hoch und die Nutzungsalternative ebenfalls attraktiv ist, wird mit ihnen spekuliert. Agrotreibstoffe dem Benzin beimischen? Unser Vorschlag: 10 Prozent weniger Kilometer pro Jahr Auto fahren oder ein Auto kaufen, dass 10 Prozent weniger Benzin benötigt.