Wenn Hänge rutschen, Lawinen nieder gehen und Zerstörung anrichten, Hagelzüge Felder und Fabrikhallen verwüsten, Seen und Flüsse ganze Quartiere überschwemmen, stellt sich die Frage: Wer bezahlt die Schäden? In Zeiten der nun auch politisch und gesellschaftlich akzeptierten Tatsache der Klimaveränderung wird diese Frage immer dringlicher. So, als ob die kleiner werdende Mehrheit der von Naturkatastrophen Unbetroffenen sagen wollte: Wir können nicht ewig weiterzahlen. Können sie oder wir, oder können wir nicht? Wer den Opfern einer Naturkatastrophe hilft, als Institution oder ganz privat pflegt das Gemeinwohl. Früher bedeutete eine zerstörerische Lawine aus Schnee oder Schlamm eine Feuersbrunst oder eine Überschwemmung vor allem eines: Die Zerstörung der Existenz. So, wie wir es von Naturkatastrophen in Entwicklungsländern kennen. Die Unversehrtheit an Leib und Leben kann niemand garantieren. Aber man kann helfen, dass es nach der Katastrophe weitergeht. Dazu gehört auch die unentbehrliche private Hilfsbereitschaft. Denn die institutionalisierte Solidarität durch Staat und Versicherungen darf nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoss zu legen.
 

Bitte zuhören!

Konferenzen wie das WEF oder die Klimakonferenz atmen den Zeitgeist einer Schicht von Menschen, die Zugang zu Informationen hat, meist wohlhabend ist und bereit, Änderungen zu akzeptieren, sofern sie dabei nichts verlieren oder sogar gewinnen können. Doch dosiertes Risiko mit Gewinnmöglichkeiten muss erhandelt werden. Dass dabei an solchen Konferenzen selten auf die wirklich Betroffenen – im Falle des Klimawandels die Ärmsten der Armen – gehört wird, ist leider längst zur Gewohnheit geworden. Neu scheint aber der Trend, dass Entscheidungsträger, also konferenzbewährte Responsabilitäten und Importanzien sich unsozial verhalten. Gemeint ist ein auf sich selber konzentriertes Verhalten, ein Abschalten, Wegsehen und Weghören gegenüber Themen und Teilnehmern, das an Unverschämtheit grenzt.
 
"Lasse Arbeit, Brot, Wasser und Salz für alle da sein", sagte einmal der verstorbene südafrikanische Präsident Nelson Mandela. Neben allem, was der bewunderte Friedensnobelpreisträger erreicht hat, bleibt dies ein frommer Wunsch. Mehr denn je. Arbeit ist viel da. Aber nicht für alle und viel Arbeit für wenig Geld. Wasser ist oft verschmutzt und mit Brot und Salz wird spekuliert. Wer Nahrungsmittel zurückhält, nur um Spekulationsgewinne einzustreichen, während gleichzeitig Menschen sterben, ist skrupellos. Wer Landflächen als Kapitalanlage hortet und im schlimmeren Fall sogar Ureinwohner vertreiben lässt, nur weil in deren Kultur schriftliche Landtitel keine Bedeutung haben, ist ohne Gemeinsinn, frei von menschlichen Werten – wertlos. Wer sein Land mit Zuckerrohplantage oder Ölpalmen überzieht, den letzten Orang Utans die Lebensgrundlage nimmt und den armen Geschöpfen nichts anderes übrig bleibt als menschliche Siedlungen zu überfallen, ist respektlos – gegenüber der Natur und der Umwelt.
 
Den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen der Neuordnung der Welt widmet das Weltwirtschaftsforum in Davos sein diesjähriges Programm. Die soziale Frage nach einer gerechten Gesellschaft rückt dabei auch aus Sicht der WEF-Teilnehmer in den Vordergrund. Wird das WEF zur moralischen Instanz? Zum dritten Mal in Folge listet der neunte Weltrisikobericht des Weltwirtschaftsforums die ungleiche Einkommensverteilung auf Platz eins der wahrscheinlichsten Risiken in der kommenden Dekade. Auf den Plätzen folgen mit extremen Wetterereignissen, Arbeitslosigkeit und Klimawandel Themen, die noch vor wenigen Jahren nur unter ferner liefen figurierten. Die Daten basieren auf einer Umfrage unter 700 Mitgliedern des Weltwirtschaftsforums, allesamt „Führungspersönlichkeiten und Entscheidungsträger“, wie WEF-Präsident Klaus Schwab im Vorwort des Berichts schreibt.
 
Wenn Hänge rutschen, Lawinen nieder gehen und Zerstörung anrichten, Hagelzüge Felder und Fabrikhallen verwüsten, Seen und Flüsse ganze Quartiere überschwemmen, stellt sich die Frage: Wer bezahlt die Schäden?